Ein unabhängiges Magazin über ungewöhnliche Musik. Kein Label, keine Produktionsfirma und kein Shop, ohne Verbindung zur früheren Website auf dieser Domain; wir verkaufen und verbreiten keine Aufnahmen.

Analysen

Analysen

Eine Analyse ist keine Rezension und keine Bewertung. Sie ist eine Möglichkeit, das Hören zu verlangsamen und zu bemerken, woraus Musik gemacht ist. Wir zerlegen den Klang in vier Schichten – Klangfarbe, Rhythmus, Aufbau und die Aufnahme selbst – und zeigen jede an fiktiven Beispielen: erfundenen, aber typischen Tracks, wie sie Ihnen in einer Sammlung ungewöhnlicher Musik begegnen könnten.

Wirkt ein Track wie Chaos, suchen Sie die Wiederholung. Fast immer gibt es eine – nur nicht dort, wo Sie sie erwartet haben.

— Gedanke der Redaktion

Wie man einen Track analysiert

  1. Klangfarben benennen

    Zählen Sie alles auf, was klingt: Instrumente, Stimmen, Geräusche, elektronische Laute. Keine Sorge um exakte Bezeichnungen – „klirrend“, „brummend“, „raschelnd“ taugen auch.

    Fiktiver Track im Stil der Exotica: Vibrafon, weicher Kontrabass, Bongos, Vogelrufe im Hintergrund und ein ferner Gong am Anfang.

  2. Den Puls finden

    Gibt es einen gleichmäßigen Takt, zu dem man mit dem Fuß wippen kann? Wenn nicht, achten Sie darauf, wie sich die Dichte der Ereignisse ändert: Klänge ballen sich und lichten sich wieder.

  3. Der Form folgen

    Markieren Sie, wo sich etwas ändert: Eine neue Klangfarbe setzt ein, der Rhythmus verschwindet, das Anfangsthema kehrt zurück. So wird die Struktur sichtbar, selbst bei einem Stück ohne Strophe und Refrain.

    Fiktives elektronisches Stück: langes Brummen, allmählich sich überlagernde Klicks, ein abrupter Abbruch und eine leise Coda aus einem einzigen Ton.

  4. Die Aufnahme selbst hören

    Wo befindet sich der Klang – nah oder fern, links oder rechts? Hört man den Raum, das Bandrauschen, den Wind? Auch die Aufnahme ist Teil des Werks.

  5. Mit den Angaben abgleichen

    Das Booklet verrät, wo und wie aufgenommen wurde, welche Instrumente zum Einsatz kamen und wer wofür zuständig war. Das überprüft Ihre Vermutungen, ersetzt aber nicht das Hören.

    Fiktive Feldaufnahme: Laut Erläuterung wurde im Freien aufgenommen – das Hundebellen im Hintergrund ist also kein Fehler, sondern Teil des Dokuments.

  6. Den Eindruck zuletzt formulieren

    Sagen Sie erst nach allen Schritten, was Ihnen gefallen hat und was nicht. So stützt sich das Urteil auf das Gehörte und nicht auf das erste Staunen.

Vier Schichten des Klangs

SchichtWorauf man hörtWo es besonders auffällt
KlangfarbeDie Färbung des Klangs: metallisch, hölzern, elektronisch, geräuschhaftExotica mit ihrer Perkussion und elektronische Musik aus synthetischen Klängen
RhythmusOb es einen Puls gibt, ob er gleichmäßig oder schwebend ist, wie sich die Klangdichte ändertMusik verschiedener Kulturen, deren Zählzeiten vom Gewohnten abweichen können, und freie Improvisation
AufbauWiederholungen, Kontraste, Rückkehr, allmähliche VeränderungenLange experimentelle Stücke, deren Form auf langsamer Entwicklung beruht
AufnahmeEntfernung zum Klang, Raum, Geräusche des Tonträgers und der UmgebungFeldaufnahmen, bei denen Raum und Nebengeräusche Teil des Inhalts sind
  • Menschen

    Rollen in der Musik – von der Komposition bis zur Covergestaltung – und wie man Angaben zu Musikern selbst überprüft.

  • Themenreihen

    Thematische Reihen für den ersten Zugang zu ungewöhnlicher Musik.

  • Konzerte

    Wie man ein Konzert oder Festival für ungewöhnliche Musik auswählt und was man mitnehmen sollte.

Quellen

  • Musiklexika und Nachschlagewerke
  • Angaben auf Veröffentlichungen: Booklets und Hüllen

Historische Angaben beruhen auf Musiklexika und Nachschlagewerken. Angaben zu Veröffentlichungen, Konzerten und Spielorten ändern sich – bitte bei Verlagen und Veranstaltern nachfragen.